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US-Kongress erkennt das Böse im Internet: “Die übelsten Webseiten im Netz” (UPDATED)

20.May 2010 | Gepostet von Philipp

The Pirate Bay, ISOHunt, Rapidshare, MP3fiesta, RMX4U und Baidu haben eines gemeinsam: Laut dem US-Kongress-Ausschuss zur Bekämpfung internationaler Piraterie sind sie das Übel des Internet´s. Das merkwürdige darin ist nur, dass die Senatoren mit dieser Meinung scheinbar alleine darstehen. Denn Millionen Nutzer auf der ganzen Welt nutzen diese Webseiten. Oder sind die User jetzt auch “böse”?

Gestern versammelte sich der US-amerikanische Kongress-Ausschuss zur Bekämpfung der internationalen Piraterie. Insgesamt 11 Senatoren gehören diesem Ausschuss an. Und was Sie wollen, kann man auch kurz und knapp sagen. Sie wollen über kurz oder lang das Internet zivilisieren. Kein Witz! Mitch Bainwol, Vorsitzender des amerikanischen Verbandes der Musikindustrie sagte wörtlich:

“The global challenge in the years to come will be to win the battle for a civilized Internet that respects property, privacy and security,”

Mit anderen Worten: Derzeit besteht das Internet aus einem Haufen Barbaren. Okay. Meinetwegen. Sind wir eben alles vagabundierende Barbaren.

Aber was die Senatoren bei Ihrem Treffen so gemacht? Mann kann es so interpretieren. Sie steckten die Köpfe zusammen, rauften sich an den Haaren, pochten an Ihren Schläfen und grübelten was das Zeug hält. Ja – was machen im Kampf, gegen die bösen Piraten, die mancher Insider Meinung nach (“nur”) Piraten sind, weil die Industrie die Konsumenten mit stetigen Preiserhöhungen zum Narren hält.

Letzten Endes kam den Senatoren doch eine glänzende Idee: Stellen wir doch eine Liste zusammen, sowie man Sie vom FBI kennt, wo die “Most Wanted” Bösewichte widergespiegelt werden. So passiert:

Die sechs “bösen, bösen” Webseiten
Und wer sind die “Bösen”, die übelsten Webseiten dieser Welt? Es sind, wen wunderts, allesamt in Ihren Regionen und Kreisen, sehr, sehr populäre und bekannte Webseiten. Zum einen wäre da die schwedische Torrent Suchmaschine The Pirate Bay, die mittlerweile dank der schwedischen Piratenpartei wieder im Netz ist, das kanadische ISOHunt, die Suchmaschine Baidu, der Filehoster Rapdishare, welcher in den USA heute einen Prozess gewinnen konnte, MP3fiesta aus der Ukraine und die selbsternannte grösste Gemeinschaft Black Music RMX4U.com aus Luxemburg.

Das sind Sie – die “übelsten” Webseiten im Internet. Nur das merkwürdige ist: Zeitgleich sind es allesamt (oder die meisten von Ihnen) sehr, sehr stark frequentierte und genutzte Webseiten. Viele Menschen auf der ganzen Welt schätzen Sie und Ihre Dienstleistungen. Sehr viele Menschen. Aber 11 Senatoren, welche mitunter im Sinne der Entertainment Industrie (Filme, TV, Videospiele, etc.) agieren, halten Sie für die übelsten Webseiten im Internet, auf die es gilt, mit dem Zeigefinger zu zeigen: “Sie sind die Bösen! Sie sind das Übel!”

Man möge es mir übel nehmen, oder nicht! Aber heisst es nicht irgendwo, “Wir sind das Volk!” – und nicht 11 Senatoren sind das Volk?

Wenn Millionen User auf der ganzen Welt die “übelsten” Webseiten der Welt nutzen, der Ausschuss aber sagt, Sie seien übel, und man müsse das Internet zivilisieren – kann man doch diesen logisch interpretierten Schluss ziehen: Das Web, das heute von einem Millionen Publikum genutzt wird, die auch die Trends (Kunde ist ja König!) vorgeben, nach denen sich vielerorts die Quellen und Diensteleister (!!!) richten, ist ein Ort für freiwildernde Barbaren, die bis dato noch nicht zivilisiert sind. Holen wir unsere Steinzeitkeulen raus, gell?

UPDATE: Statement von Rapidshare zur Liste des US-Kongress-Ausschusses zur Bekämpfung internationaler Piraterie
Gerade noch per eMail reingeflattert – RapidShare´s Gründer, Christian Schmid hat direkt Stellung zu der schwarzen Liste vom US-Kongress bezogen.

“Christian Schmid, Gründer des 1-Click-Filehosters RapidShare: Wir sind empört, dass ein Ausschuss des US-amerikanischen Kongresses unsere Website in Zusammenhang mit Piraterie benennt. Wir sind ein Unternehmen, das legitime Bedürfnisse unserer Kunden bedient.

Das Unternehmen RapidShare vervielfältigt weder urheberrechtlich geschützte Daten noch macht es solche Daten öffentlich zugänglich. Zudem unternehmen wir alles in unserer Macht stehende, um Urheberrechtsverletzungen zu verhindern. Dies ist uns kürzlich durch zwei Gerichtsurteile in den USA und Deutschland bestätigt worden. Wir stehen für den Dialog mit den Rechteinhabern. Dass wir nun in eine Reihe mit teilweise dubiosen Websites gestellt werden, die ganz andere Geschäftsmodelle und Ziele verfolgen, zeigt, dass die RIAA (Recording Industry Association of America), die MPAA (Motion Picture Association of America) und der US-Kongress offenbar keine tiefen Kenntnisse darüber verfügen, wie das Unternehmen RapidShare operiert.

Wer Sündenböcke für eine schwarze Liste benötigt, sollte sich lieber bei anderen Sharehostern umsehen, die die Verbreitung von Raubkopien – im Gegensatz zu uns – gezielt fördern.”

Pic via Wikimedia

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